Die Gattung des wildwachsenden Olivenbaums, die im Mittelmeerraum gedeiht, ist ein stacheliger Busch mit kleinen Früchten, die aus großen Kernen und wenig Fruchtfleisch bestehen, im Unterschied zu den heimisch gewordenen Sorten, die keine Stacheln mehr haben und fleischige Früchte, reich an Öl, aufweisen. Der wildwachsende Olivenbaum ist wahrscheinlich nicht ein Vorfahre des gezüchteten Olivenbaums, auch wenn die beiden Arten sehr ähnliche genetische und chromosomale Eigenschaften aufweisen. Man darf annehmen, dass der angebaute Olivenbaum aus einer Kreuzung zweier verschiedener Arten abstammt, wobei eine vielleicht die Olea Africana ist, von der er die Form der länglichen Blätter hat und eine andere, unbekannte Art, der er die fleischige, mehr Öl enthaltende Olive
verdankt.
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Die ganz wesentlichen Unterschiede zwischen den wildwachsenden und angebauten Arten gehen auf die Arbeit des Menschen zurück, der über tausend Jahre lang die Olivenbäume gepflegt, kultiviert und ausgewählt und dadurch ihre Eigenschaften tiefgreifend verändert hat. Vor fast 6000 Jahren, in der Kupfer-Zeit, bearbeiteten die Ansiedlungen von Landwirten, die die Küstengebiete des östlichen Mittelmeers bewohnten, nämlich die heutige syrisch-palästinesische Küste, Haine mit großfruchtigen Olivenbäumen und begannen, systematisch die verschiedenen ergiebigen Arten auszuwählen. Sie entdeckten, dass mit einiger Mühe eine dicke, ölige Flüssigkeit gewonnen werden konnte, die einen wohltuenden und wirksamen Schutz für die Haut darstellte, von recht aromatischem Geschmack war und die sich auch gut als Brennstoff eignete. Die Erforschung des langen Prozesses, den Olivenbaum heimisch werden zu lassen, ist äußerst mühsam, weil man nicht immer auf Grund der vegetativen Reste (Holz, Blütenstaub und in beschränktem Masse auch Kerne) erkennen kann, ob es sich um wilde oder gezüchtete Arten
handelt.
Kerne wilder und gezüchteter Oliven 
Das Foto zeigt die Unterschiede zwischen Olivenkernen angebauter und wilder Olivenbäume, die vor allem aus den Abmessungen hervorgehen (bis zu 10 mm der wildwachsende Olivenbaum, darüberhinaus der gezüchtete Olivenbaum).
In der Vergangenheit wurde das Erschaffen des Olivenbaums den Helden oder den Göttern zugeschrieben und als kostbare Gabe an die Menschheit betrachtet. Seit Jahrtausenden berichten zahllose Legenden, welche Rolle Osiride, Athene¸ Aristeo, Herakles etc. dabei gespielt haben. Man kann davon ausgehen, dass jede große Zivilisation des Mittelmeers einen besonderen Mythos geschaffen hat, um den Ursprung des ersten kultivierten Baumes darzulegen.
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