Während des Mittelalters wurde das Olivenöl äußerst knapp und begehrt, so dass es manchmal sogar wie Bargeld behandelt wurde. Ab dem V. Jahrh. gingen dann die staatlichen Kontrollen über das Öl immer mehr zurück und wurden letztendlich ganz eingestellt. Die Kirchenorden besitzen zu jener Zeit die größte Anzahl an noch gepflegten Olivenhainen und das Olivenöl findet man nur am Tische der Reichen, oder eben besonders der Geistlichen.

In den Klöstern verteilen die Verwalter der Vorratskammern täglich an jeden Klosterbruder eine nicht übermäßige, aber auch nicht zu knapp bemessene Ration Öl, um die Speisen zu würzen.

Wenn einem Kloster das Öl ausging, musste sogar ein Wunder helfen: So liest man im Leben der Heiligen Klara, dass eines Tages “den Mägden Christi vollkommen das Öl ausgegangen war, so dass nicht einmal für das Essen der Kranken etwas übrig war.” Die Heilige Klara nahm eine Vase und stellte sie auf eine Mauer. Als sie später nachschaute, war diese mit Öl gefüllt!

Die hauptsächliche Verwendung fand das Olivenöl im Mittelalter aber nicht als Nahrungsmittel, sondern im liturgischen Bereich. Die Heiligen Öle und das Chrisma, die für die Erteilung der Sakramente erforderlich sind, werden während der “Chrisma-Messe” geweiht, die der Bischof am Gründonnerstag zelebriert. Das geweihte Öl wird den verschiedenen Kirchen weitergegeben und muss das ganze Jahr ausreichen. Gegebenenfalls darf ausschließlich beim Bischof um eine Nachlieferung gebeten werden, wenn kein Öl mehr vorhanden ist.Wie in der Heiligen Schrift festgelegt, dürfen die Lampen, die auf den Altären vor dem Bildnis Christi brennen, nur mit Olivenöl gespeist werden.

Christus–Leuchter aus Silber - Genua 1824/1830 
Das Archiv-Foto zeigt einen Christus-Leuchter aus Silber mit dem Prägestempel des Meisters Gerolamo Gervasio.Dieser Leuchter, der den Altar erhellte, durfte bis zum II. Vatik. Konzil nur mit Olivenöl gespeist werden.

Vorschriften für die Christus-Leuchten (996)

"Man möge für die Beleuchtung vor dem Kreuz das hochwertige Öl kaufen, wo man das dargestellte Gesicht unseres Herrn Jesus Christus anbetet, und jedes Jahr solle man so viel davon kaufen, dass eine Lampe die ganze Nacht brennen solle, jede Nacht." 

Codex Diplomaticus Longobardiae, N.DCCCCIV, cc. 1593-1594